Effektiv? Oder doch eher effizient?

effektiveffizient

Morgen steigt das Champions-League-Finale. Und Barcelona sollte gewarnt sein: Juventus Turin ist nämlich bekannt dafür, defensiv sehr stabil zu stehen und die wenigen Konter eiskalt zu nutzen. Was für eine effektive Mannschaft!

Effektiv? Oder vielleicht doch eher effizient? Ist das nicht das Gleiche? Na egal, die Moderatoren bei Sky und der ARD werden schon wissen, was sie da sagen. Ebenso die vielen Schreiberlinge bei Kicker und Co.

Denkste!

Denn in 90% der Fälle liegen die Damen und Herren der Zunft daneben. Effektivität und Effizienz sind nämlich nicht das Gleiche.

Dabei ist es in der Theorie ganz einfach:

Effektivität heißt das Richtige zu tun. Effizienz heißt, das Richtige mit so wenig Aufwand wie möglich zu tun.

Das heißt, jedes Tor ist effektiv. Denn das Toreschießen ist das vorrangige Ziel beim Fußball. Das Richtige zu tun, also effektiv zu sein, hängt nicht von der Anzahl der Versuche ab. Auch ein glückliches Abpraller-Reinstolper-Tor nach fünfzig Versuchen ist effektiv.

Effizienz hingegen zeigt das Verhältnis von Aufwand und Ertrag an, also von Schüssen und Toren. Je weniger gebraucht werden, um das Ziel des Toreschießens zu erreichen, desto effizienter ist ein Team.

Liebe Moderatoren und andere den Fußball Kommentierende. Ich will euch nicht mit der Theorie alleine lassen, sondern euch helfen, in Zukunft weniger oft das falsche E-Wort zu benutzen. Vielleicht schon morgen bei Juventus‘ Kontern?

Deswegen hier ein Übungsabschnitt. Die Auflösung stehen ganz am Ende des Artikels:

1. Der Spielmacher hat schlecht geschlafen. Statt den Ball nach vorne zu treiben, schiebt er ihn ein ums andere Mal ins Seitenaus. „Oh je“, raunt der Moderator, „die Nummer 10 spielt heute aber gar nicht effektiv/effizient.“

2. „1860 brauchte heute gegen uns nur zwei Torschüsse um zum Ausgleich zu kommen. Sechzig war einfach brutal effektiv/effizient“.

3. „Der Innenverteidiger war bis jetzt nicht als Torkanone bekannt. Bei seinen seltenen Ausflügen in den gegnerischen Strafraum freuten sich die Gästefans im Oberrang immer schon über den Ball, den sie als Souvenir mit nach Hause nahmen. Der Verteidiger ist einfach nicht gerade effektiv/effizient.“

 

Auflösung:

1. effektiv. Er macht also nicht das Richtige. Anzuraten wäre ihm, das Spiel zu machen und damit seiner Namensbestimmung zu folgen.

2. effizient. Wenig Schüsse gleich wenig Aufwand für den Ertrag des Ausgleichs. Das Gerangel von Schindler mit Schiedsrichter Knut Kircher vor dem Ausgleich war hingegen bestenfalls effektiv, also mit dem richtigen Ergebnis: Die 60er wachten auf. Statt mehrmaligem Schubsen wäre aber wohl ein gezielter Faustschlag effizienter gewesen.

3. Tja, genau genommen ist der Abwehrspieler weder effektiv noch effizient. Kein Tor, aber riesiger Aufwand. Der Trainer wird sich statt der E-Frage eher die A-Frage stellen, auswechseln oder nicht. Eine Einwechslung eines 1,58m-Linksverteidigers wäre aber wohl ebenso wenig effektiv beim nächsten Eckballs. Die Einwechslung von Leipzigs Torwart Coltorti wäre vielleicht effektiv – Darmstadt lässt grüßen – aber sicher nicht gerade effizient, wenn die Einwechslung in der 48. Minute passierte und Coltorti eine Halbzeit lang den Innenverteidiger mimte.

4. 40 Tore in 30 Spielen. Und dann auch noch für den FC Horst. Er machte das Richtige, also spielte er effektiv. Eventuell ist die Verteidigung in der 6. Liga aber auch reichlich hüftsteif und der Stürmer bräuchte für seine 30 Tore 300 Torschüsse – und 10 Schnäpse. Dann war er nicht unbedingt effizient. Im Bezug auf die Spielzeit war er es jedoch ganz sicher. In maximal 30 x 90 Minuten 40 Tore zu schießen ist ein gutes Verhältnis von Aufwand und Ertrag.