Randnotizen: Polka in der Lausitz

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Ein Herbstsamstag in der Lausitz, seit Jahren ist es hier wärmer als anderswo. Man munkelt schon, dass die Region versteppt. Vielleicht wegen des Braunkohletagebaus, der alles zwischen Cottbus, Finsterwalde und Weißwasser einmal umgewühlt hat. Nichts ist mehr, wie es einmal war.

Auch nicht bei Energie Cottbus. Ganz früher, so sagt er, als die Gästefans dachten, sie kämen ans Ende der Welt und dann von der tollen Stimmung im „Stadion der Freundschaft“ überrascht waren. Ja, damals wurde bei jedem Heimspiel auf dem Spielfeld die „Annemarie“-Polka getanzt, die heimliche Hymne der Lausitz.

https://www.youtube.com/watch?v=f-FZkQ2_-Ls

Diese goldenen und swingenden Erstligazeiten sind lange vorbei, aber in der Erinnerung des älteren Herren, mit dem ich in Spremberg spreche, sind sie so lebendig, als hätten Ede Geyer und Tomislav Piplica gestern die Liga durcheinandergewirbelt.

Mein Gesprächspartner schwärmt vom Stadion, von seinem Dauerkartenplatz direkt hinter der Trainerbank der Gäste. Es soll sehr kommunikativ zugegangen sein zwischen den Cottbuser Fans und den Trainingsleitern. Und diese waren aber wirklich auch sehr eindrückliche Persönlichkeiten – im Guten wie im Schlechten.

Besonders im Gedächtnis geblieben sind ihm Matthias Sammer und Felix Magath.

Der Dresdner Sammer wurde begeistert empfangen, als er mit Dortmund in die Lausitz kam. Diese Sympathie verspielte er aber alsbald, denn er verweigerte den Anhängern das Autogramm. Es kam wohl geradezu zu Tumulten. „Wie kann einer von uns nur so arrogant sein“, schallte es der Dortmunder Bank entgegen und erst Michael Zorc konnte die Lage unter Kontrolle bringen. Er könne Sammer auch nicht verstehen. Seitdem sei der Wüterich in Cottbus untendurch.

Ganz anders jedoch Felix Magath. Bei einem Gastauftritt hatte einer seiner Schützlinge schon in der ersten Hälfte vor allem durch grobes Spiel auf sich aufmerksam gemacht. „Und da hab ich laut hinuntergeschrien: He, Trainer, wechsle‘ ihn aus!“. Nach der Pause war der betreffende Spieler tatsächlich nicht mehr auf dem Platz. Und Magath drehte sich irgendwann um und fragte ins Rund: „Wer hat vorhin den Wechsel vorgeschlagen? Ich habe es mir wirklich nur deshalb überlegt.“

Unvergessen bleibt natürlich der 2:0 Sieg in der Spielzeit 2007/2008. Aber nicht nur das Spiel begeisterte, nein auch das Verhalten der Verlierer.

„Wie Kahn spielt, kann man mögen oder nicht, aber er ist ein großer Sportmann. Er kam nach der 0:2-Niederlage in die Cottbuser Kurve und verteilte Glückwünsche. Cottbus könne die 3 Punkte ohnehin viel besser brauchen als die Bayern.“

Ich wünsche Energie Cottbus und seinen sympathischen Fans für die Zukunft viele Annemarie-Weltrekorde und Felix Magaths – und positiv überraschte Gästefans.

https://www.youtube.com/watch?v=OD23HjSph2A

P.S.: Leider kamen wir nicht auf die Fanfreundschaft mit Stuttgart zu sprechen, und auch nicht auf die Beziehung zu Union Berlin. Einen Seitenhieb auf den BFC Dynamo konnte er aber nicht auslassen. Diese Krawallbrüder unterwanderten seit geraumer Zeit die „eigentlich harmlosen Dresdner Unterstützer“.